Ulrike Übelacker-Kühn
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DSB-Ehrenpräsident Alfred Michaelis verstorben

bssb Alfred Michaelis
 
Der Ehrenpräsident des Deutschen Schützenbundes und Ehrenmitglied des Bayerischen Sportschützenbundes, Alfred Michaelis (Straubing) ist am Freitag, 25. April 2014 in seiner Heimatstadt Straubing im Alter von 98 Jahren verstorben. Der Wiederbegründer der Kgl. priv. Schützengilde Straubing war von 1964 bis 1972 Bezirksschützenmeister des Schützenbezirks Niederbayern, bevor er 1973 zum Präsidenten des Deutschen Schützenbundes gewählt wurde. 1982 ernannten ihn die Delegierten des Bayerischen Schützentages zum Landes-Ehrenmitglied.
 
1. Landesschützenmeister Wolfgang Kink würdigte Alfred Michaelis als Wegbereiter des deutschen Schützenwesens.
 
 
„Die Tradition des Schießwesens und den aktiven Schießsport als Leistungssport gleichermaßen zu fördern und die Jugend für unseren Sport zu gewinnen und sie in unseren Reihen – unter Gleichgesinnten – zu guten Staatsbürgern zu erziehen, sind meine entschiedenen Ziele!" Diese Aussage, die Alfred Michaelis bereits 1964 anlässlich seiner Wahl zum Bezirksschützenmeister des Schützenbezirks Niederbayern gegeben hatte, war sein Grundsatzprogramm. Nur drei Jahre später wurde er zum Vizepräsidenten des DSB gewählt.
 
1971, nach dem Tod des damaligen Präsidenten Dr. h. c. Georg von Opel, wurde er zum kommissarischen Präsidenten des DSB ernannt; es folgte die offizielle Wahl zum höchsten Repräsentanten des Deutschen Schützenbundes im Jahre 1973. Der Kernsatz seiner Antrittsrede ist bis heute gültig geblieben: „ln kameradschaftlicher Verbundenheit, ohne Vorurteile für jedermann, dem Schießsport, der Wahrung der Tradition und der Freizeitgestaltung zu dienen!" Dies war ein Jahr nach den Olympischen Sommerspielen in München eine richtungweisende Aussage. Die Fitness-Welle war noch unbekannt, die Breitensportinitiative des DSB war noch nicht einmal in den Köpfen der Verantwortlichen geboren.
 
Eines seiner großen Anliegen war die Jugendarbeit. Deshalb engagierte er sich besonders stark in diesem Bereich. Er war maßgeblich an der Durchsetzung der Jugendordnung, der „Bibel" der Jugendarbeit beim DSB, beteiligt. Ohnehin war für ihn die Jugendarbeit „der Unterbau einer jeglichen Vereinsarbeit". Um dies auch auf Vereinsebene durchzusetzen, war ihm jedes Mittel recht. „Ich will die jungen Leute fördern, sie dem Sport zuführen und ihre Freizeit verbessern," erklärte er immer wieder. Die Früchte seiner Arbeit ernten die Schützinnen und Schützen noch heute: Ohne sein Wirken hätte der heutige hohe internationale Leistungsstand der deutschen Schützen kaum verwirklicht werden können. Für dieses besondere Engagement erhielt er 1979 das Goldene Eichenblatt. Auch längst nach seiner Zeit als Präsident hat sich Alfred Michaelis wesentlich um die Koordinierung des europäischen Schießsportes bemüht. Er war mehrfach Delegationsleiter der deutschen Mannschaft bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften.
 
Ein weiteres wichtiges Verdienst des Ehrenpräsidenten war die Installation der Referenten. Alfred Michaelis erwirkte außerdem beim damaligen Deutschen Sportbund die Einrichtung von Trainerstellen. Unter seiner Ära wurde die Schießsportschule in Wiesbaden zu dem, was sie heute ist. Er sorgte dafür, dass auch die Landesverbände Leistungszentren schufen und geeignete Kräfte zur Förderung der Elitekader einsetzten.
 
Unter seiner Führung verdoppelte der DSB seine Mitgliederzahl auf über eine Million. Dies lässt nur erahnen, dass seine Thesen von einer Aufbauarbeit auf allen Ebenen des Verbandes auf fruchtbaren Boden gefallen sind.
 
Trotz seines Engagements für den modernen Leistungs- und Freizeitsports war Alfred Michaelis aber auch ein Mann der Schützentradition. Er legte den Grundstock für die Sammlung in der Wiesbadener Geschäftsstelle, die später zum Grundinventar des Deutschen Schützenmuseums in Coburg wurde.
 
„Pendler zwischen Betrieb und Sport" nannten ihn die Kollegen der Straubinger Zeitung kennzeichnend 1974, denn der studierte Diplom-Ingenieur war ein erfolgreicher Unternehmer, der trotz hoher beruflicher Belastung immer wieder die Zeit fand, sich abends oder an den Wochenenden den Belangen des BSSB und schließlich des DSB zu widmen. Unter dieser Doppelbelastung der Führung des DSB und seines Betriebes litt er während seiner gesamten Amtszeit. Freizeit war für Alfred Michaelis ein Fremdwort.
 
Berufliche Rücksichtnahmen zwangen Alfred Michaelis schließlich 1982 zum Rücktritt; er übergab seinem Nachfolger einen wohl funktionierenden, modernisierten Sportverband.
 
Der Straubinger Unternehmer und Ehrenvizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz war aber auch im unternehmerischen Bereich ein Pionier: aus kleinsten Anfängen heraus baute er ein florierendes Werk auf.
 
In aller Bescheidenheit meinte er nach einer Laudatio anlässlich seines 85. Geburtstages nur, nachdem er die vielen Ehrungen von hohen Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Sport entgegengenommen hatte: „Zuviel Lob macht auch Heilige rußig..."
 
 
Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 04. Mai 2014 11:39 Uhr