Ulrike Übelacker-Kühn
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Trauer um Landesehrenmitglied Wilhelm Brandl

bssb Wilhelm Brandl
 
Der Bayerische Sportschützenbund trauert um sein Landesehrenmitglied Wilhelm Brandl. Wilhelm Brand, der als Landesschirftführer 30 Jahre dem BSSB diente, verstarb im 76. Lebensjahr in seiner Heimatstadt Murnau.
 
Der Trauergottesdienst findet am Mittwoch, dem 06. August 2014 um 11.00 Uhr in der St. Michaels Kirche in 82418 Seehausen, Seestraße 1, statt. Die Urnenbeisetzung erfolgt im Anschluss auf dem Friedhof an der St. Nikolaus Kirche Murnau, Mayr-Graz-Weg 10, 82418 Murnau.
 
Im Sinne des Verstorbenen wird anstelle von Blumen und Kränzen um eine Spende an Unicef gebeten: Unicef, Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00, Konto-Nummer 300 000, Verwendungszweck: Kranzspende Wilhelm Brandl.
 
Mit dem Murnauer Willi Brandl ist ein Stück bayerischer Schützengeschichte von der Lebensbühne abgetreten. Der langjährige Landesschriftführer verstarb nach langer schwerer Krankheit am 24. Juli 2014 im Alter von 75 Jahren. Er war der letzte noch lebende Vertreter des Landesschützenmeisteramts, der sowohl unter den Landesschützenmeistern Andreas Hartinger als auch Josef Ambacher gedient hat. Über 30 Jahre hinweg begleitete er den Bayerischen Sportschützenbund in seinem höchsten Gremium. Die meisten seiner Weggefährten kannten ihn eher unter seinem Spitznamen „Buale", der eigentlich gar nicht zu dem Zwei-Meter-Mann passen wollte. Nur Insider wussten, dass ihm dieser als eines der jüngsten Mitglieder des BSSB-Schützenmeisteramts noch von der Vorstandsschaft um Willy Baumann und Ludwig Merkel gegeben worden war.
 
Dabei war der Lederwarenhändler aus Murnau ein sehr bescheidener Funktionär, der nie nach Höherem strebte und sein Amt als Chronist und Protokollant mit seiner schon fast legendären Zuverlässigkeit ausübte. Denn Willi Brandl war immer da, wenn er gebraucht wurde und verstand auch richtig anzupacken.
 
Der am 10. April 1939 geborene Willi Brandl trat mit 21 Jahren in die Kgl. priv. FSG Murnau ein. Dies war damals der frühestmögliche Zeitpunkt einer Mitgliedschaft. Bereits ein Jahr später wurde er zum Schriftführer der renommierten Schützengesellschaft gewählt, nur ein Jahr später ereilte ihn der Ruf in die Gauvorstandschaft des Schützengaus Werdenfels, wo er seine Karriere wie in seinem Verein als Schriftführer begann. Nach elf Jahren, in denen er weit mehr als nur Protokolle abfasste, wählten ihn die Delegierten zum 2. Gauschützenmeister. Ab 1975 bekleidete er das Amt des 1. Gauschützenmeisters. Dazu war er auch bei der Gebirgsschützenkompanie in seiner Heimatstadt tätig.
 
Im Land bekannt wurde er aber in der Funktion des 1. Landesschriftführers, in die er bereits 1969 gewählt wurde. Es war aber weniger seine Tätigkeit des Gauschriftführers, die den zu dieser Zeit amtierenden 1. Landesschützenmeister Andreas Hartinger auf den damals 30-jährigen „Buale" aufmerksam gemacht hatte. Denn Willi Brandl hatte sich auch als Mann des Sports einen Namen gemacht, war internationaler Kampfrichter und in dieser Funktion bei der Weltmeisterschaft im Jahr 1966 tätig. Übrigens griff das Organisationskomitee auch 1972 bei den Olympischen Sommerspielen in München auf ihn zurück; Willi Brandl war also einer der letzten noch lebenden Mitarbeiter der so genannten „heiteren Spiele".
 
Über elf Wahlperioden und etwas mehr als dreißig Jahre diente der gebürtige Murnauer dem BSSB als 1. Landesschriftführer, keiner seiner Vor- und Nachfolger kann auf eine solch lange Wirkungsdauer zurückblicken. Erst 1999 stellte sich der Murnauer nicht mehr der Wiederwahl, um den Nachwuchs zum Zug kommen zu lassen. In seiner Zeit als Landesschriftführer beschränkte sich Willi Brandls Arbeit wie damals in seinem Gau nicht nur auf das Abfassen der Protokolle, vielmehr brachte er sich in vielen Bereichen ein, wo seine Arbeitskraft gefragt war. So half er auch nach seiner aktiven Zeit beim Aufstellen des Trachten- und Schützenzugs und anderen Festzügen wie beispielsweise dem Jubiläumszug in München im Jahr 2000 mit; bei der Siegerehrungsfeier zum Oktoberfest-Landesschießen war er immer für die Ausgabe der Pokale und Urkunden verantwortlich. Und als bis 1999 noch am mittleren Wochenende der Wiesn auch in der Luftdruckwaffenhalle der Olympia-Schießanlage Hochbrück um Landesschützenkönigsehren geschossen wurde, war Willi Brandl der Schießleiter.
 
Ohnehin bedeutete dem engagierten Funktionär das Oktoberfest-Landesschießen sehr viel. Alle Jahre stiftete er wertvolle Preise für den Gabentempel. Und selbstverständlich ließ er sich es auch nicht nehmen, regelmäßig in den Reihen des Landesschützenmeisteramts am Oktoberfest-Trachten- und Schützenzug teilzunehmen.
 
Der Dienst am Gemeinwesen und am bayerischen Schützenwesen wurde bereits 1999 mit der Ehrenmitgliedschaft des BSSB gewürdigt; sein ehrenamtliches Engagement wurde mit dem Verdienstkreuz am Band des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gewürdigt. Der Deutsche Schützenbund ehrte Willi Brandl auch wegen seines Einsatzes als Sportmitarbeiter und Kampfrichter schließlich mit dem Ehrenkreuz in Gold der Sonderstufe.
 
Mit Willi Brandl verstarb einer der letzten Pioniere des frühen Bayerischen Sportschützenbundes. In dieser Zeit des Aufbaus etablierte sich das bayerische Schützenwesen als eine Sportbewegung, der Schießsport wurde dank des Einsatzes auch von Willi Brandl als Sport und nicht mehr nur als Traditionserhalt anerkannt. Sein Wirken als Kampfrichter u. a. auch in der Berufungsjury bei Deutschen und Bayerischen Meisterschaften währte über Jahrzehnte. Er war einer der Fürsprecher für den Erwerb der Olympia-Schießanlage, als sich 1972 die Frage der Übernahme der weltgrößten zivilen Schießsportanlage stellte. Gegen manche Widerstände verteidigte er die damit verbundene sportliche Öffnung des Verbandes. Erwähnenswert ist auch, dass in seiner Wirkungszeit der Schützengau Werdenfels einer der sportlich erfolgreichsten in Bayern war. Dieses Wirken wird den Namen Willi Brandl auch in Zukunft bekannt halten.
Zuletzt aktualisiert am Freitag, 01. August 2014 11:54 Uhr