Ulrike Übelacker-Kühn
Drucken

Olympia-Test beim Weltcup Rio – Selina Gschwandtner gewinnt Bronze

bssb RioHomepage Engleder
 
Die Schießsport-Welt trifft sich dieser Tage in Rio. Der Weltcup, der noch bis zum 24. April läuft, bietet den Athleten die Möglichkeit, die Olympia-Wettkampfstätten zu testen. Deshalb ist diese Sportveranstaltung höchstklassig besetzt. Und auch der DSB schickte seine Besten – darunter neun Athleten aus Bayern.
 
Gleich beim ersten Wettbewerb, dem der Luftgewehr-Frauen, setzte Selina Gschwandtner (Reischach) ein Zeichen. Sie gewann nach 418,6 Vorkampfringen und einem gleichmäßigen Finale mit 186,8 Ringen die  Bronzemedaille. Den hervorragenden Triumpf der bayerischen Athletinnen vervollständigte Nina-Laura Kreutzer (Bad Berneck), die mit 418,7 Ringen als Drittplatzierte des Vorkampfs ebenfalls den Finaleinzug gemeistert hatte. Allerdings kam sie etwas schwer ins Finale und zweimal die 9,7 im achten und neunten Schuss brachten das frühe Ausscheiden auf Rang 8. Auch die dritte bayerische Starterin, Barbara Engleder (Triftern), schlug sich mit 417,2 Vorkampfringen und dem 10. Platz mehr als achtbar. Gold ging an die Chinesin Li Du (418,6/208,3).
 
Die deutschen Luftpistolen-Männer hingegen hatten mit der Medaillenvergabe nichts zu tun. Unser bayerischer Starter Philipp  Grimm (Vokach) zeigte einen extrem wechselhaften Wettkampf. Neben einer 99er- und 100er-Serie, waren auch 90 und 93 Ringe dabei. Mit insgesamt 571 Ringen landete der bayerische Sportpolizist als bester Deutscher auf Rang 42. Gold gewann der Spanier Pablo Carrera (583/199,3).
 
Eine weitere Medaille gab es für den Deutschen Schützenbund bei den Trap-Frauen. Mit 69 getroffenen Scheiben hatte Sonja Scheibl (Itzstedt) auf Rang 3 den Einzug ins Halbfinale gemeistert. Mit weiteren 11 Treffern sicherte sie sich einen Startplatz im Bronzefinale und setzte sich dort auch gegen die Chinesin Fang Chen mit 11 : 9 durch. Damit gewann Sonja Scheibl die Bronzemedaille.
 
Auch am zweiten Tag der vorolympischen Wettbewerbe in Rio lief es für die Pistoleros nicht gut. Die einzige deutsche Starterin bei den Luftpistolen-Frauen, die Regensburgerin Monika Karsch, zeigte mit 381 Ringen zwar eine international solide Leistung, die jedoch nur für den 17. Rang reichte. Für einen Finalstartplatz wären mindestens 383 Ringe vonnöten gewesen. Sie hat am Mittwoch im Wettbewerb mit der Sportpistole noch eine zweite Medaillenchance. Gold gewann die Ukrainerin Olena Kostevych (385/201,7).
 
Das zweite Finale des zweiten Wettkampftages gehörte den Trap-Männern. Hier verpasste Karsten Bindrich (Eußenhausen) einen Finalplatz erst im Stechen und wurde am Ende auf Rang 11 notiert.
 
Am dritten Wettkampftag stand nur der Finalwettbewerb der Luftgewehr-Männer auf dem Programm. Mit dabei waren die beiden jungen, bayerischen Sportpolizisten Michael Janker (Hofstetten) und Nikolas Schallenberger (Niederlauterbach). Nikolas Schallenberger erwischte einen rabenschwarzen Tag und landete mit 611,9 Ringen auf Rang 72. Und auch Michael Jankers Ergebnis ließ noch „Luft nach oben". Seine 621,4 Ringe reichten für Rang 44. Der dritte deutsche Starter, Julian Justus (Homberg/Ohm), schaffte hingegen den Finaleinzug. Mit 627,0 Ringen sicherte er sich Vorkampfplatz 5. Er schoss auch im Finale konzentriert weiter und am Ende fehlte ihm das bekannte "Quäntchen Glück". Julian Justus verfehlte die Medaillenränge nur um Haaresbreite und musste sich mit 163,7 Ringen mit der "Holzmedaille" und Rang 4 zufrieden geben.
 
Der vierte Wettkampftag gehörte erneut den Pistolen-Männern – diesmal mit der Freien Pistole. Leider gelang es auch diesmal den Pistoleros nicht, für einen Lichtblick in der arg gebeutelten bundesdeutschen Pistolenlandschaft zu sorgen. Als bester deutscher Athlet beendete Florian Schmidt (Frankfurt/oder) den Wettkampf mit 549 Ringen auf Rang 36. Philipp Grimm (Volkach) wurde mit 548 Zählern 38.
 
Beachtlich gute Leistungen zeigten Andreas Löw (Weingarten) und Michael Goldbrunner (Benediktbeuern) bei den Doppeltrap-Männern. Andreas Löw musste nach 136 Vorrunden-Treffern gegen den US-Amerikaner Joshua Richmond ins Stechen. Nervenstark setzte sich der Sportsoldat mit 11 : 10 durch und ergatterte damit den letzten Halbfinalplatz. Dort ließ er gleich drei Scheiben in der ersten Zehner-Runde passieren und kam damit etwas ins Hintertreffen. Mit einem starken Finish und einer vollen Zehnerserie holte er aber wieder auf, sodass am Ende des Halbfinales erneut Treffergleichheit zwischen ihm und einem weiteren US-Amerikaner, Walton Eller, zu Buche stand. Andreas Löw musste also wieder in ein Shoot-off, um sich den Bronzefinal-Einzug zu sichern. Im Stechen wurde ihm dann die vierte Scheibe zum Verhängnis  – aber immerhin sprang ein fünfter Platz in dieser höchstklassigen Konkurrenz heraus. Michael Goldbrunner fehlten am Ende zwei Scheiben, um auch ins Shoot-off um den letzten Halbfinalplatz eingreifen zu können. Er wurde mit 134 Treffern Zwölfter.
 
Heute wendete sich das Blatt der Pistolenschützen! Monika Karsch (Regensburg) nutzte ihre zweite Chance und sicherte sich mit dem Weltklasseresultat von 584 Ringen (293/291) im Wettbewerb mit der Sportpistole mit Rang 2 den Einzug ins Finale. Im Endkampf kam die Regensburger Sportsoldatin mit zwei Viererserien gut in den Wettkampf. Nach einer schwachen Serie mit nur einem Treffer legte sie volle fünf Hits nach und endete mit drei Treffern in Serie 5. Die insgesamt 14 Treffer brachten ihr den Einzug ins Bronzefinale auf Rang 4. Zur Erinnerung: Im Finale wird nach Matchpunkten gewertet. D. h. nach Abschluss einer Fünferserie bekommt die Gewinnerin zwei Punkte, bei Gleichstand fällt für jede Schützin ein Punkt ab. Wer zuerst sieben Punkte erreicht, hat gewonnen. Olena Kostevych (Ukraine) und Monika Karsch erwiesen sich über eine weite Strecke als ebenbürtige Gegnerinnen. Nach der sechsten Serie standen für beide sechs Punkte zu Buche und Serie 7 sollte die Entscheidung bringen. Hier ließ Monika Karsch eine Scheibe mehr stehen als ihre Gegnerin und unterlag mit 6 : 8 Punkten. Nach dieser sehr guten Leistung musste sich die bayerische Nationalkaderschützin mit der Holzmedaille zufrieden geben.
 
Zwei Starter des DSB hatten die Elimination der Liegendkampf-Männer überstanden, und griffen heute ins Geschehen ein. Nikolas Schallenberger (Niederlauterbach) hatte das 60-köpfige Startfeld leider nicht erreicht. Daniel Brodmeier (Niederlauterbach) und Henri Junghänel (Berlin) konnten diesen Weltcup ganz entspannt angehen, da sie innerhalb des deutschen Teams bereits für den olympischen Liegendkampfwettbewerb qualifiziert sind. Daniel Brodmeier patzte gleich in der ersten Serie mit 102,0 Ringen. Danach schoss er aber um so besser auf und schob sich mit 623,4 Ringen auf Rang 15. Auch Henri Junghänel tat sich zu Beginn des Wettkampfs etwas schwer und eröffnete mit 103,4 und 102,6 Ringen. In Serie 5 ließ er es mit 106,6 Ringen so richtig krachen, sammelte insgesamt 625,9 Ringe  und landete damit auf Rang 4 souverän im Finale. Dort drehte der Bundes-Hauptstädter richtig auf. Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten – er hatte zwar mit einer 10,9 eröffnet, dann aber dreimal die 10,0 getroffen – kam Stabilität in seine Schüsse. Mit konstant mittleren bis hohen Zehnerwerten arbeitete sich Henri Junghaenel Platz für Platz nach vorne und erarbeitete sich sogar einen kleinen Vorsprung. Mit insgesamt 210,0 Ringen und einem für den Liegendkampf sensationellen Vosprung von 2,1 Ringen gewann er Gold! Die Olympischen Spiele können kommen!
 
Der siebte Wettkampftag gehörte den Frauen im Wettbewerb Kleinkaliber 3 x 20 Schuss. Aus bayerischer Sicht mischten die Luftgewehr-Bronzemedaillengewinnerin Selina Gschwandtner (Reischach) und die Weltmeisterin von 2010, Barbara Engleder (Triftern) mit. Selina hatte schwer mit ihrer Konstanz zu kämpfen. So ließ sie im Liegendanschlag 99 Ringen eine 93er-Serie folgen, und nach einem holprigen Auftakt mit 93 Ringen im Stehendanschlag ging die zweite Serie mit 89 Ringen richtig daneben. Aber auch Barbara Engleder legte heute einen "Hang zur Dramatik" an den Tag. Ihre Kniend- und Liegendserien waren mit 96, 97, 98 und 99 Ringen in Ordnung, reihten die Sportsoldatin in dem hochkarätigen Starterfeld aber zwischenzeitlich auf Rängen deutlich jenseits der 10 ein. Barbaras "Schokoladen-Anschlag" sollte jedoch erst noch kommen. Zittern machte sich breit, als bei der ersten Serie im Stehendanschlag nicht mehr als 95 Ringe heraussprangen. Doch dann entdeckte Barbara ihr Kämpferherz und setzte nahezu optimale 99 Ringe nach. Mit 584 Ringen schloss sie den Vorkampf ab, und musste jetzt auf Fehler ihrer Konkurrentinnen hoffen, um noch eine Finalchance zu haben. Und tatsächlich, ihr Name rutschte auf der Anzeigetafel immer weiter nach oben, bis er auf dem sechsten Finalplatz stehen blieb. Das Finale begann mit umgekehrten Vorzeichen. Schon in den Liegendserien führte Barbara Engleder das Tableau an und fiel bis zum Ende nie aus den Medaillenrängen. Am Ende gewann die junge Mutter mit 455,6 Finalringen die Silbermedaille. Auch für sie – wie für die zweite bayerische Medaillengewinnerin Selina Gschwandtner – können die Olympischen Spiele kommen!
 
 
Wir berichten über die weiteren Wettkämpfe fortlaufend an selber Stelle.
 
Die vollständigen Ergebnisse, Videos und Informationen ebenso wie den Zeitplan finden Sie auf den Seiten der ISSF.
 
 
 
 
Zuletzt aktualisiert am Freitag, 22. April 2016 18:21 Uhr