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Der Bayerische Sportschützenbund trauert um Landesehrenmitglied Hans Seeberger

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Hans Seeberger, langjähriges Mitglied des Landesschützenmeisteramtes, Ehrenmitglied des BSSB, des Mittelfränkischen Schützenbundes, des Schützengaus Erlangen und des Deutschen Schützenbundes ist tot. Er verstarb nach langer, schwerer Krankheit dennoch überraschend in der Nacht zum 26. Oktober 2016.
1. Landesschützenmeister Wolfgang Kink würdigte den Verstorbenen als immer verlässlichen Weggefährten und Kameraden, der ihn einst ins Landesschützenmeisteramt einführte. 
 
Am 31. Oktober 2016 fand Hans Seebereger seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof in Büchenbach. Seine Familie, Schützenkameraden, Freunde, Bekannten und Weggefährten begleiteten ihn auf seinem letzten Weg. Fahnenabordnungen, darunter die des BSSB und MSB, erwiesen ihm die letzte Ehre.
 
Unser Mitgefühl gilt seiner langjährigen Lebensgefährtin Heidemarie Haas und der Familie.
 
 

Nachruf

Der langjährige Gauschützenmeister des Schützengaus Erlangen, Bezirksschützenmeister des Mittelfränkischen Schützenbundes und 2. Landesschützenmeister Hans Seeberger ist tot. Er verstarb in der Nacht zum 26. Oktober an den Folgen einer langen Krankheit dennoch überraschend. Er war über viele Jahre Mitglied des Landesschützenmeisteramtes und wurde für seine außerordentlichen Verdienste 1999 zum Ehrenmitglied des BSSB ernannt. Er galt im BSSB als die „Stimme Frankens" und bemühte sich um den Ausgleich der Interessen der starken Bezirke im Süden Bayerns.
 
In einer ersten Stellungnahme zeigte sich 1. Landesschützenmeister Wolfgang Kink zutiefst bestürzt über den Tod seines langjährigen Kameraden und Weggefährten, der ihn einst in das Landesschützenmeisteramt eingeführt hatte. „Hans Seeberger war eine Persönlichkeit, die sich ganz dem Wohl des Bayerischen Sportschützenbundes unterordnete. Er war der Mann des Ausgleichs, der in zahlreichen Sitzungen auch scheinbar unvereinbare Positionen zusammenführte und in den späten Achtziger- und Neunzigerjahren maßgeblich zum Erfolg unserer Arbeit im Land beigetragen hat. Er war mir immer ein wertvoller Ratgeber, Schützenkamerad und persönlicher Freund!"
 
Hans Seeberger, dessen Berufswunsch zuerst Pilot und dann Jurist war und schließlich die elterliche Metzgerei übernahm, wurde am 9. Mai 1927 im heutigen Ortsteil von Erlangen, Büchenbach, geboren. Zum Schützenwesen kam er erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Die SSG Büchenbach, die er 1958 mit begründete sollte zu seiner besonderen Passion werden. Der SSG Büchenbach stand er als 1. Schützenmeister seit 1962 bis – von einer dreijährigen Unterbrechung abgesehen – vor, bis er 1990 die Vereinsführung in jüngere Hände gab. In seine Zeit fiel der Bau des modernen Schützen- und Vereinszentrums. So festigte er sich seinen Ruf als „Macher", der alle Situationen zu meistern verstand.
 
1964 wurde er zum 1. Gauschützenmeister des Schützengaus Erlangen gewählt. Während seines Wirkens baute er die SSG Büchenbach zu einem Leistungs-Schützenverein im Gau auf. Auf diese erfolgreiche Arbeit wurde auch der Mittelfränkische Schützenbund aufmerksam. Auch im Bezirk wurde er sogleich zum 1. Bezirksschützenmeister ernannt. Dieses Amt bekleidete er von 1980 bis 1984. Gerade im Bezirk war sein außergewöhnliches Organisationstalent gefragt, denn es lag die Feier des 100-jährigen Bestehens des MSB an. Das Fest, das breite Beachtung fand, wurde zu einem großen Erfolg. Die zu diesem Anlass von ihm initiierte und herausgegebene Chronik ist nach wie vor ein Grundlagenwerk zum deutschen Schützenwesen.
 
Auch die Gründung der RWS Franken, dem Leistungsschützenverein des Bezirks Mittelfranken, fällt in seine Wirkungszeit. Hans Seebergers diplomatischem Geschick war es zu verdanken, dass die RWS Franken tatsächlich zur Talentschmiede wurde und Mittelfranken zur sportlichen Nummer 1 im Hause des BSSB machte. Diese Vereinsgründung war bis dato also eine in der Geschichte des deutschen Schützenwesens einmalige Pioniertat, die den Weg zu einer modernen sportorientierten Jugendarbeit öffnete.
 
1984 folgte schließlich der Ruf ins Landesschützenmeisteramt. Hans Seebergers Wahl bedeutete einen Wendepunkt in der Geschichte des BSSB. Erstmals nach vielen Jahren war wieder ein Franke in das Amt eines der drei Landesschützenmeister gewählt worden. Auch zeichnete sich bei diesem Schützentag bereits ein Umbruch in der Verbandsführung ab; der damalige erste Mann im bayerischen Schützenwesen, Andreas Hartinger, wechselte kurze Zeit später an die Spitze des DSB, und mit Hans Seeberger und Josef Ambacher rückte ein sich gegenseitig ergänzendes, tatkräftiges Gespann in der Verbandsführung nach.
 
War es Andreas Hartinger, der die Olympia-Schießanlage dem BSSB sicherte, so lag es nun an den beiden Nachfolgern, diese Sportstätte zu erhalten. Hier halfen Hans Seeberger zahlreiche Kontakte aus seiner weiteren ehrenamtlichen Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Bank Erlangen-Büchenbach.
 
Auch im DSB galt es nun für Hans Seeberger, als Mitglied des Gesamtvorstandes Flagge zu zeigen. Sein Meisterstück lieferte er aber mit der Ausrichtung des Deutschen Schützentags von 1991 in Nürnberg ab, der zu einem eindrucksvollen Beweis des deutschen Schützenwesens wurde. Der "Wiedervereinigungsschützentag" – die beiden deutschen Schießsportverbände wurden nach der deutschen Einheit wieder zusammengeführt – machte Hans Seeberger auf einen Schlag in der gesamten Republik bekannt.
 
Als an Weihnachten 1993 Andreas Hartinger überraschend verstarb, war es Hans Seeberger, der im Hintergrund die Fäden für Josef Ambachers Kandidatur für das höchste Amt im deutschen Schützenwesen zog. Seinem Durchsetzungsvermögen und seinem Geschick war es zu verdanken, dass der neue DSB-Präsident wieder aus Bayern kam. Die angekündigte Kampfabstimmung beim Deutschen Schützentag 1994 in Frankfurt fand dank vieler Gespräche, die Hans Seeberger geführt hatte, nicht statt, und Josef Ambacher wurde mit überwältigender Mehrheit neuer DSB-Präsident. Schließlich beschloss der Büchenbacher, 1999 nicht mehr für ein Amt im Landesschützenmeisteramt zu kandidieren: „Ich wollte dann gehen, wenn alle sagen, dass es schade sei, und nicht erst, wenn es heißt, wann geht denn der Alte endlich!"
 
Aber in den Ruhestand zog er sich nicht zurück, denn immer wieder warteten Aufgaben auf das agile BSSB-Ehrenmitglied. So arbeitete er den heutigen Erlanger Gauschützenmeister als dessen Stellvertreter ein, um dann den Gauvorstand nach einer Amtsperiode wieder zu verlassen; ähnlich half er beim Führungswechsel bei der Kgl. priv. HSG Erlangen. Hans Seeberger sprang immer dann ein, wenn seine Hilfe gebraucht wurde. Und stets war er dann der väterliche „Beschützer", der seine Schützlinge behutsam auf das anstehende Amt vorbereitete und an seinem unendlichen Erfahrungsschatz teilhaben ließ.
 
Die Bedeutung seines Wirkens für den BSSB kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Er war der Mann des Übergangs zu einer modernen, zeitgemäßen Verbandsführung. Selbst im hohen Alter bestach er mit einem Ideenreichtum und einem Elan, der zum Mitmachen zwang. So muss Hans Seeberger ohne Übertreibung und ohne Einschränkung als das Vorbild für junge Nachwuchsfunktionäre angesehen werden, der mit Menschlichkeit und Kompetenz, aber auch dem erforderlichen Durchsetzungsvermögen alle Probleme löste. Mit seinen wegweisenden Taten auf Gau-, Bezirks- und Landesebene hat er sich einen festen Platz in der Geschichte des BSSB gesichert und wird so unsterblich bleiben.
 
Hans Seeberger war Ehrenmitglied des Deutschen Schützenbundes, Bayerischen Sportschützenbundes, des Mittelfränkischen Schützenbundes, des Schützengaus Erlangen. Für den DSB saß er noch bis zuletzt als Vorsitzender im Ehrungsausschuss. 1998 wurde ihm das Bundesverdientskreuz 1. Klasse verliehen.
Zuletzt aktualisiert am Montag, 31. Oktober 2016 19:29 Uhr