Ulrike Übelacker-Kühn

ISSF-Weltcup – die Schießsportelite traf sich zur Generalprobe in München

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Zum Weltcup München, der Generalprobe vor den Weltmeisterschaften in Changwon (31. August bis 15. September), waren annähernd 1300 Athleten aus 84 Nationen auf der Olympia-Schießanlage angereist, um in diesem riesigen Starterfeld ihren Leistungsstand vor dem großen Zielwettkampf des Jahres zu ermitteln. Vor den ersten Weltcup-Wettbewerben hatten zudem die nicht mehr olympischen „Liegendkampf-Schützen und -Schützinnen“ die Gelegenheit, ihre Kräfte zu messen.

Los ging es dann am Donnerstag mit dem Luftgewehr-Wettbewerb der Frauen. Hier war mit Isabella Straub gleich die erste bayerische Schützin am Start, die ihre Sache richtig gut machte. 628,0 Ringe standen für sie zu Buche, was in dem extrem starken Starterfeld Rang 16 bedeutete. Für den Einzug ins Finale, das Ying-Shin Lin (Taipeh) gewann, wären 629,1 Ringe erforderlich gewesen. Daniel Brodmeier und Maximilian Dallinger bestritten in der Zwischenzeit mit sehr guten Leistungen den Eliminationswettkampf bei den Dreistellungskampf-Männern, und Monika Karsch wie Sandra Reitz absolvierten den ersten Präzisionsteil mit der Schnellfeuerpistole mäßig erfolgreich (beide 285 Ringe).

 

Am Freitag stand dann der zweite Sportpistolenteil, Duell, auf dem Zeitplan und Monika Karsch wie Sandra Reitz starteten ihre Aufholjagd. Sandra Reitz traf dort 293 Ringe und landete mit dem Gesamtergebnis von 578 Ringen auf Rang 26. Monika Karsch setzte 292 Ringe nach und erreichte mit 577 Ringen Rang 29. Zur Finalqualifikation fehlten dann doch fünf Ringe (582 Ringe). Gold ging an die Chinesin Yaxuan Xiong (586 Ringe/31 Treffer).

 

Auch bei Daniel Brodmeier und Maximilian Dallinger lief es an diesem Tag nicht so richtig rund. Daniel Brodmeier, der in der Eliminationsrunde des Dreistellungskampfs noch 1182 Ringe getroffen hatte, gelangen an diesem Tag „nur“ 1173 Zähler und damit Rang 22. Für Maximilian Dallinger sprang mit 1165 Ringen nur Rang 56 heraus. Für das Finale wären mindestens 1178 Ringe erforderlich gewesen. Die Goldmedaille nahm der Chinese Haoran Yang mit dem neuen Final-Weltrekordergebnis von 465,3 Ringen mit nach Hause.

 

Der dritte Wettkampf des Freitags gehörte den Luftpistolen-Männern. Michael Heise zeigte mit 578 Ringen eine sehr ansprechende Leistung. Ihm fehlten nur zwei Ringe zum Finaleinzug. Im Endranking rangierte er auf Rang 18. Eine Top-Leistung lieferte Philipp Grimm ab – leider nur im MQS-Wettkampf. Dort traf er 582 Ringe und hätte damit im offiziellen Wettbewerb spielend die Finalquali gemeistert. Das gelang auf Rang 2 des Vorkampfs auch dem Wahl-Regensburger Christian Reitz mit  dem Spitzenergebnis von 586 Ringen. Im Finale kam er mit vier Neunern in der ersten Fünferserie etwas schwer in den Wettkampf, steigerte sich aber enorm und gewann mit 242,4 Ringen die Silbermedaille. Er musste nur den Ukrainer Oleh Omelchuk mit 243,6 Ringen ziehen lassen.

 

Fast erwartungsgemäß gab es für die bayerisch-deutschen Luftgewehr-Männer am Samstag keinen Blumentopf zu gewinnen. Als bester Deutscher erreichte Maximilian Dallinger mit 627,3 Ringen Rang 26. Für das Finale hätten es mindestens 629,2 Ringe sein müssen. Den Sieg sicherte sich der Weißrusse Illia Charheika mit 249,5 Ringen.

 

Der Sonntag bot dann wieder drei Wettkämpfe. Im Dreistellungskampf der Frauen war im offiziellen Wettkampf keine bayerische Schützin am Start. Isabelle Straub absolvierte die MQS-Wertung mit guten 1173 Ringen, die im offiziellen Wettbewerb Rang 15 wert gewesen wären.

 

Dafür ruhten alle Hoffnungen auf unseren beiden Pistolen-Vorzeigeschützinnen Monika Karsch und Sandra Reitz – leider vergebens. Beide erwischten einen rabenschwarzen Tag, schossen weit unter ihren Möglichkeiten und erreichten mit 567 Ringen Rang 46 (Sandra Reitz) und mit 562 Ringen Rang 68 (Monika Karsch) in der Luftpistolen-Konkurrenz. Gold sicherte sich hier die Ukrainerin Olena Kostevych mit 586 Vorkampf- und 240,1 Final-Ringen.

 

Beim letzten Wettkampf des Tages war erneut Olympiasieger Christian Reitz in seiner Paradedisziplin mit der Schnellfeuerpistole im Einsatz. Sollte der Tag doch noch eine gute Wendung für die bayerisch-deutschen Fanclubs nehmen? Christian Reitz meisterte zwar gewohnt souverän den Finaleinzug mit 585 Ringen auf Rang 2. Im Finale riss aber der Faden. Nach mehrmaligen Unterbrechungen der Wettkampfvorbereitung und anschließender Verschiebung des Finalwettkampfs um eine Stunde wegen technischer Schwierigkeiten an den SIUS-Ständen, kam Christian zunächst passabel in den Wettkampf. Die erste Eliminationsserie verhaute er mit nur einem Treffer dann aber vollständig und schied auf Rang 6 aus dem Medaillenrennen aus. Die Gunst der Stunde nutzte Oliver Geis und gewann Silber. Gold ging an den jungen Chinesen Junmin Lin.

 

Am Montag standen dann noch die „neuen“, jetzt olympischen Mixed-Team-Wettbewerbe an. Die bayerischen Fanclubs versammelten sich hinter dem rein-bayerischen Pärchen Isabella Straub und Maximilian Dallinger, um sie anzufeuern. Das war allerdings „vergebene Liebesmüh“, weil das Gewehr von Maxi bei der Nachkontrolle als zu schwer befunden wurde, was eine Disqualifikation nach sich zog und das Ausscheiden der beiden bedeutete. Und weil eine Katastrophe selten allein kommt, ereilte die Pistolenschützen dasselbe Unheil. Philipp Grimm, der zusammen mit Doreen Vennekamp den Mixed-Team-Wettbewerb schoss, wurde ebenfalls zur Nachkontrolle ausgelost und – man mag es kaum glauben – bei dessen Waffe stimmte das Abzugsgewicht nicht: Disqualifikation, Team ausgeschieden. Da blieb dann nur noch das „Reitz-Dream-Team“ übrig. Die beiden schlugen sich auch gar nicht schlecht, Christian sammelte 391 Ringe und Sandra steuerte noch 379 Ringe bei, also insgesamt 770 Zähler. Das waren allerdings zwei zu wenig, um den letzten Finalkampf des diesjährigen Weltcups zu bestreiten. Die beiden wurden Zehnte.

 

Unter’m Strich: Die Generalprobe für die Weltmeisterschaften hätte für die bayerischen und deutschen Schützen doch deutlich besser laufen können. Allerdings bleiben ihnen jetzt noch drei Monate Zeit, an den Feinheiten zu feilen, um dann in Süd-Korea zu überzeugen.

Zuletzt aktualisiert: Dienstag, 29. Mai 2018 14:21 Uhr