Der Bayerische Sportschützenbund trauert um Landes- und DSB-Ehrenmitglied Dieter Ohmayer – Ein Leben für den Schießsport
Der Bayerische Sportschützenbund trauert um Dieter Ohmayer, Ehrenmitglied des BSSB und DSB, der am 10. August 2026 im 89. Lebensjahr verstorben ist.
Mit Dieter Ohmayer verliert der Bayerische Sportschützenbund eine der prägendsten Persönlichkeiten seiner Nachkriegsgeschichte. Über nahezu fünf Jahrzehnte gestaltete er den Schießsport in Bayern und Deutschland entscheidend mit. Kaum ein anderer Funktionär hat die Entwicklung des modernen Leistungs-, Breiten- und Ausbildungssports so nachhaltig beeinflusst wie er. Mit visionärem Denken, unermüdlichem Einsatz und außergewöhnlicher Fachkompetenz schuf er Strukturen, die bis heute das Fundament des Schießsports bilden.
Seine Leidenschaft für den Schießsport begann bereits im Jahr 1952. Als 15-Jähriger trat er in den Schützenverein ein und entwickelte sich schnell zu einem erfolgreichen Sportschützen. Der Sohn eines mehrfachen Deutschen Meisters der Vorkriegszeit war selbst ein hervorragender Gewehrschütze und errang unter anderem 1968 den Bayerischen Meistertitel mit dem Kleinkalibergewehr. Doch schon früh erkannte er, dass nachhaltiger Erfolg nicht allein von einzelnen Spitzenschützen abhängt, sondern vor allem von einer systematischen Ausbildung und professionellen Förderung des Nachwuchses. Diese Erkenntnis sollte sein gesamtes Lebenswerk prägen.
Bereits Anfang der 1960er-Jahre setzte sich Dieter Ohmayer für etwas ein, das damals im Schützenwesen nahezu unbekannt war: eine strukturierte Trainerausbildung. Während in vielen Vereinen Erfahrungen meist von Generation zu Generation weitergegeben wurden, entwickelte er gemeinsam mit Verantwortlichen des Deutschen Schützenbundes Konzepte für eine einheitliche Übungsleiterausbildung. Gegen erhebliche Widerstände kämpfte er dafür, dass der Schießsport den Anschluss an andere olympische Sportarten fand.
1963 gehörte er zu den ersten Absolventen der neu geschaffenen Übungsleiterausbildung des Deutschen Schützenbundes und wurde damit selbst zu einem der ersten lizenzierten Schießsporttrainer Deutschlands. Was mit einer Idee begann, entwickelte sich dank seines beharrlichen Engagements zu einem deutschlandweit anerkannten Ausbildungssystem.
Als 2. Landestrainer des Bayerischen Sportschützenbundes baute Dieter Ohmayer ab 1968 die Übungsleiterausbildung in Bayern nahezu vollständig auf. Parallel dazu entwickelte er gemeinsam mit Landestrainer Rudolf Sigl ein modernes Lehrgangswesen für Nachwuchs- und Spitzenschützen. Er initiierte Jugendlehrgänge, strukturierte die Kaderarbeit neu und schuf ein flächendeckendes Netz qualifizierter Trainer. Sein Ziel war klar: Jeder Verein sollte über kompetente Ausbilder verfügen und jeder talentierte Nachwuchsschütze sollte unabhängig von seinem Heimatverein die Möglichkeit erhalten, professionell gefördert zu werden.
Mit großer Hartnäckigkeit führte er zahllose Gespräche mit Ministerien, Behörden und Sportverbänden. Sein Einsatz führte schließlich 1974 zur staatlichen Anerkennung der Jugend- und Übungsleiterausbildung des Bayerischen Sportschützenbundes. Damit wurden die BSSB-Trainer den Übungsleitern anderer Sportverbände gleichgestellt – ein Meilenstein für das gesamte Schützenwesen und eine Grundlage, von der der Verband bis heute profitiert.
1978 wählten ihn die Delegierten zum 1. Landessportleiter des Bayerischen Sportschützenbundes. In den folgenden 21 Jahren prägte er die sportliche Entwicklung des Verbandes wie kaum ein Zweiter. Unter seiner Führung entstanden moderne Kaderstrukturen, neue Trainingskonzepte und ein professionelles Lehrgangswesen. Er etablierte die Ausbildung von Trainer-C-, Trainer-B- und später Trainer-A-Lizenzen ebenso wie eine systematische Kampfrichterausbildung. Hunderte Trainerinnen und Trainer sowie Kampfrichter gingen durch die von ihm aufgebauten Lehrgänge.
Dabei verlor Dieter Ohmayer nie den Blick für die gesamte Bandbreite des Schießsports. Neben den olympischen Gewehr- und Pistolendisziplinen förderte er ebenso den Bogensport, die Wurfscheibe, die Armbrust, die Laufende Scheibe und zahlreiche weitere Disziplinen. Ebenso setzte er sich früh für den Parasport ein und war über viele Jahre Referent für Parasport im Deutschen Schützenbund. Sein Engagement machte deutlich, dass sportliche Förderung allen offenstehen muss.
Im fortgeschrittenen Alter wurde er nicht müde, Mitarbeiter für Messeauftritte des BSSB zu motivieren, um den Schießsport und seine Faszination den Messebesuchern nahezubringen. Denn Dieter Ohmayer sah, dass um neue Mitglieder möglichst offensiv geworben werden muss. Der Schießsport war schon lange kein Selbstläufer mehr.
Auch auf Bundesebene genoss Dieter Ohmayer höchstes Ansehen. Seit 1978 gehörte er der Sportkommission des Deutschen Schützenbundes an, war Mitglied der Technischen Kommission und des Trainerrates sowie Inhaber nationaler und internationaler Kampfrichterlizenzen. Seine Expertise war weit über Bayern hinaus gefragt. Viele internationale Veranstaltungen auf der Olympia-Schießanlage in Hochbrück trugen seine Handschrift. Besonders der Internationale Druckluftwaffenwettkampf entwickelte sich unter seiner organisatorischen Leitung zu einem der renommiertesten Saisonauftakte des Weltschießsports und zog regelmäßig die internationale Elite nach Bayern. Er war zusammen mit Hans Kowar der Ideengeber für das Weltcupfinale der UIT (heute ISSF) und war dadurch auch eine Größe im internationalen Sportgeschehen.
Doch Dieter Ohmayer war weit mehr als ein hervorragender Organisator. Er war Ideengeber, Netzwerker und Visionär. Er dachte den Schießsport stets weiter. Bereits in den 1970er-Jahren erkannte er die Bedeutung einer qualifizierten Vereinsführung als Grundlage für den Breitensport. Schon früh setzte er sich für die Ausbildung von Vereinsmanagern C ein, die damals noch im Haus für Erwachsenenbildung des BLSV beheimatet war. Er übernahm bei diesen Lehrgängen die kompletten schießsportfachlichen Unterrichtseinheiten für die Funktionäre aus den Schützenvereinen. Mit der Einführung der Vereinsmanager-C-Ausbildung im Bayerischen Sportschützenbund war er am Ziel.
Sein Wirken fiel in eine Zeit tiefgreifender Veränderungen. Aus einem stark traditionsgeprägten Verband entwickelte sich der Bayerische Sportschützenbund zu einer modernen Sportorganisation. Dieter Ohmayer war einer der Architekten dieses Wandels. Gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Andreas Hartinger und Rudolf Sigl legte er die Grundlagen dafür, dass Bayern über Jahrzehnte die erfolgreichste Landesorganisation im Deutschen Schützenbund wurde und zahlreiche Welt-, Europa- und Olympiasieger hervorbrachte.
Dabei blieb er stets bodenständig. Wer ihn persönlich kannte, schätzte seine Hilfsbereitschaft, seinen trockenen Humor, seine enorme Fachkenntnis und seine Fähigkeit, Menschen zu begeistern. Generationen von Trainern, Funktionären und Sportlern profitierten von seinem Wissen. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Brigitte, die ihn bei unzähligen nationalen und internationalen Veranstaltungen organisatorisch unterstützte, bildete er über Jahrzehnte ein unverzichtbares Team im Dienste des Schießsports. Ständige Begleiter waren dabei seine besten Freunde – anfangs ein Dackel und später drei Generationen von Dalmatinern.
Für seine außergewöhnlichen Verdienste erhielt Dieter Ohmayer zahlreiche Ehrungen auf Landes- und Bundesebene, u. a. das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die Ernennung zum Ehrenmitglied des Bayerischen Sportschützenbundes im Jahr 1999 sowie später zum Ehrenmitglied des Deutschen Schützenbundes würdigten eine Lebensleistung, die ihresgleichen sucht.
Mit Dieter Ohmayer verliert der Bayerische Sportschützenbund einen seiner größten Gestalter. Sein Name wird untrennbar mit dem Aufbau des modernen Ausbildungswesens, der Professionalisierung des Leistungssports und der Entwicklung der Olympia-Schießanlage Hochbrück als international anerkanntes Leistungszentrum verbunden bleiben. Sein Lebenswerk wirkt bis heute in jeder Trainerlizenz, jedem Lehrgang, jeder Kadermaßnahme und in den Erfolgen unzähliger Schützinnen und Schützen fort.
Der Bayerische Sportschützenbund wird seinem Landesehrenmitglied Dieter Ohmayer ein ehrendes Andenken bewahren. Mit ihm verliert das deutsche Schützenwesen einen Visionär, einen Pionier und einen Menschen, der den Sport über Jahrzehnte mit Herz, Verstand und unermüdlichem Engagement geprägt hat.
