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Der Bayerische Sportschützenbund trauert um sein Landesehrenmitglied Hartmut Gust

Mit großer Trauer nimmt der Bayerische Sportschützenbund Abschied von seinem Landesehrenmitglied Hartmut Gust, der am 19. Mai im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Mit Hartmut Gust verliert der Bayerische Sportschützenbund eine außergewöhnliche Persönlichkeit, einen Visionär und einen der prägenden Gestalter des Schützenwesens in der Oberpfalz.

Über Jahrzehnte hinweg hat er mit Tatkraft, Weitblick und unermüdlichem persönlichem Einsatz Spuren hinterlassen, die bis heute sichtbar sind. Sein Lebenswerk war geprägt von der Überzeugung, dass ehrenamtliches Engagement, Gemeinschaft und sportlicher Erfolg untrennbar zusammengehören.
Als Hartmut Gust 1967 die Schützengesellschaft Wasservögel Schierling wiedergründete und zum 1. Schützenmeister gewählt wurde, begann eine Erfolgsgeschichte. Aus einem kleinen Verein mit 21 Mitgliedern formte er innerhalb weniger Jahre einen der größten Schützenvereine zunächst Niederbayerns, der später in die Oberpfalz wechselte. Unter seiner Führung wuchs die Mitgliederzahl auf beeindruckende 365 Schützinnen und Schützen. Dabei war Hartmut Gust nie ein Funktionär, der nur verwaltete – er gestaltete, entwickelte und packte selbst mit an.
Sein außergewöhnlicher Tatendrang zeigte sich besonders beim Bau der vereinseigenen Schützenhäuser. Nachdem der Verein bereits 1969 sein Schießlokal verloren hatte, initiierte er den Bau eines eigenen Schützenheims, das bereits ein Jahr später mit neun Luftgewehr- und Zimmerstutzenständen eröffnet werden konnte – vollständig ohne staatliche Zuschüsse. Von der Planung bis zu den handwerklichen Arbeiten war Hartmut Gust persönlich beteiligt. Als das stetige Mitgliederwachstum wenige Jahre später erneut einen Neubau erforderlich machte, bewies er noch größeren Mut. Trotz eines Kassenbestands von lediglich 4.000 Mark stellte er sich an die Spitze eines Bauprojekts mit einem Volumen von über einer halben Million Mark. Wieder wurde nahezu alles in Eigenleistung erbracht. 1981 entstand so eine der modernsten vereinseigenen Schießsportanlagen Bayerns mit Luftdruck-, Kleinkaliber- und Großkaliberständen sowie umfangreichen Vereinsräumen – ein Meilenstein für den Schießsport weit über Schierling hinaus. Doch Hartmut Gust dachte nie nur an Gebäude. Er prägte das Vereinsleben ebenso nachhaltig. Bereits früh führte er eine einheitliche Schützentracht ein und schuf mit der Gründung einer Schwarzpulverschützen-Abteilung einen besonderen Blickfang, der die „Wasservögel“ bei Schützenfesten in ganz Bayern bekannt machte und zugleich den Einstieg in das Vorderladerschießen förderte.
Besonders am Herzen lag ihm jedoch der Nachwuchs. Seine konsequente Jugendarbeit bildete die Grundlage für zahlreiche bayerische und deutsche Meistertitel. Seine eigenen Kinder Gudrun, Ronald und Jürgen gehörten zu den erfolgreichsten Schützen ihrer Zeit. Hartmut Gust wusste auch selbst als aktiver Sportschütze zu überzeugen und errang unter anderem den Titel des Bayerischen Vizemeisters mit der Freien Pistole im Team.
Schon früh übernahm Hartmut Gust Verantwortung über die Vereinsgrenzen hinaus. Im Labergau organisierte er als Rundenwettkampfleiter und stellvertretender Gausportleiter den Sportbetrieb neu. Nach dem Wechsel der Wasservögel Schierling in den Schützenbezirk Oberpfalz wurde er 1981 zum 1. Bezirksschützenmeister gewählt. Auch dieses Amt füllte er mit außergewöhnlichem Engagement aus.
Während seiner zehnjährigen Amtszeit entwickelte sich der Schützenbezirk Oberpfalz in beeindruckender Weise weiter. Die Mitgliederzahl wuchs von rund 18.000 auf mehr als 32.000 Schützinnen und Schützen. Hartmut Gust stärkte gezielt die Jugend- und Leistungssportarbeit, baute Gau- und Bezirksstützpunkte auf und initiierte die Einführung einer einheitlichen Oberpfälzer Schützentracht. Mit der Gründung der Bezirksgeschäftsstelle in der Regensburger Weinschenkvilla schuf er erstmals professionelle Arbeitsbedingungen für den Bezirk. Ebenso rief er die Bezirkszeitung „Der Oberpfälzer Schütze“ ins Leben und organisierte 1990 das bis dahin größte Schützenfest der Oberpfalz mit der Weihe der Bezirksschützenfahne in Regensburg.
Auch auf Landesebene brachte Hartmut Gust seine Erfahrung ein. Als Mitglied des Landesbeirats und des Landesausschusses des Bayerischen Sportschützenbundes arbeitete er an der Weiterentwicklung des Verbandes mit. Darüber hinaus setzte er sich auf kommunaler Ebene erfolgreich dafür ein, dass der Schießsport in die Sportförderung des Landkreises aufgenommen und bei den Sportlerehrungen gleichberechtigt berücksichtigt wurde.
Sein Rücktritt als 1. Bezirksschützenmeister im Jahr 1991 erfolgte nach langwierigen und belastenden Auseinandersetzungen um die Verbandsstruktur in der Oberpfalz. Trotz dieser für ihn schmerzhaften Entscheidung kehrte Hartmut Gust nach einigen Jahren beruflicher Tätigkeit in Österreich in die Schützenfamilie zurück. Im Jahr 2000 wurde er einstimmig zum Ehrenbezirksschützenmeister ernannt und brachte sich trotz schwerer gesundheitlicher Einschränkungen noch viele Jahre beratend in die Bezirksarbeit ein.
Für sein außergewöhnliches Lebenswerk erhielt Hartmut Gust zahlreiche Auszeichnungen auf Vereins-, Gau-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene. Die Ernennung zum Ehrenmitglied des Bayerischen Sportschützenbundes im Jahr 2005 bildete den Höhepunkt dieser Würdigungen und war Ausdruck des großen Respekts, den er sich im gesamten Verband erworben hatte.
Neben seinem Wirken für das Schützenwesen engagierte sich Hartmut Gust über Jahrzehnte auch politisch und gesellschaftlich. Seit 1966 gehörte er der SPD an und setzte sich in zahlreichen Funktionen für die Entwicklung seiner Heimatgemeinde Schierling ein. 
Hartmut Gust war ein Mann mit Visionen, Durchsetzungsvermögen und außergewöhnlicher Schaffenskraft. Wo andere Hindernisse sahen, erkannte er Chancen.  Der Bayerische Sportschützenbund verliert mit ihm einen engagierten Funktionär, einen leidenschaftlichen Förderer des Sports und einen Menschen, dessen Wirken weit über seine Heimat Schierling hinausstrahlt.