Der Bayerische Sportschützenbund trauert um sein Landesehrenmitglied Josef Niedermeier
Der Bayerische Sportschützenbund trauert um sein Landesehrenmitglied Josef Niedermeier, der am 30. Juni im Alter von 93 Jahren verstorben ist. Mit dem Tod von Josef Niedermeier verliert der Bayerische Sportschützenbund eine der prägenden Persönlichkeiten seiner Verbandsgeschichte. Das BSSB-Ehrenmitglied, Ehren-Bezirksschützenmeister Oberbayerns und Träger des Bundesverdienstkreuzes stand über Jahrzehnte wie kaum ein anderer für Verantwortungsbewusstsein, Tatkraft und gelebtes Ehrenamt. Sein Wirken hat den Schießsport vor allem in Oberbayern nachhaltig geprägt.
Geboren am 4. März 1933 in Elsenbach bei Neumarkt-St. Veit, führte Josef Niedermeier sein beruflicher Weg zunächst als gelernter Schreiner nach Taufkirchen. Später baute er sich als Allianz-Versicherungsagent über mehr als drei Jahrzehnte einen hervorragenden Ruf auf. Sein Erfolgsrezept war ebenso einfach wie überzeugend: „Nicht ich verkaufe den Kunden etwas, sondern die Kunden kaufen bei mir.“ Diese Haltung – geprägt von Vertrauen, Verlässlichkeit und Menschlichkeit – bestimmte sein gesamtes Leben.
1963 trat Josef Niedermeier dem Schützenverein in Taufkirchen bei. Was zunächst als sportliches Hobby begann, entwickelte sich schnell zu einer außergewöhnlichen ehrenamtlichen Laufbahn. Bereits wenige Jahre später übernahm er Verantwortung als Gausportleiter, ehe er 1974 zum 1. Gauschützenmeister des Schützengaus Dorfen gewählt wurde. Sein Organisationstalent, seine Sachlichkeit und seine Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen, machten ihn weit über die Grenzen seines Heimatgaus hinaus bekannt.
1978 wählten ihn die oberbayerischen Delegierten zum 1. Bezirksschützenmeister. Dieses Amt übte Josef Niedermeier 18 Jahre lang mit großem Engagement und Weitblick aus. In seine Amtszeit fielen zahlreiche richtungsweisende Entscheidungen, darunter die Einführung des heutigen Bezirkswappens und die feierliche Standartenweihe des Schützenbezirks Oberbayern in Prien am Chiemsee. Gleichzeitig blieb er stets nah an den Vereinen und den Schützinnen und Schützen – ein Funktionär, der nie den Kontakt zur Basis verlor. Mit großem Engagement und Sachkenntnis gestaltete Josef Niedermeier im Landesausschuss auch die Geschicke des Schützenwesens auf Landesebene mit.
Zudem blieb er sportlich aktiv. Noch im hohen Alter nahm er an Meisterschaften, Königs- und Vereinsschießen teil und erzielte dort beachtliche Ergebnisse. Für ihn gehörten Funktionärsarbeit und eigene Begeisterung für den Schießsport untrennbar zusammen.
Nach seinem Ausscheiden als Bezirksschützenmeister im Jahr 1996 zog sich Josef Niedermeier keineswegs aus dem Ehrenamt zurück. Bereits ein Jahr später gehörte er zu den Gründern des Fördervereins Schloss Taufkirchen und übernahm dessen Vorsitz. Mit großem Einsatz setzte er sich für den Erhalt des Wasserschlosses als kulturelles Zentrum seiner Heimatgemeinde ein. Unter seiner Führung entwickelte sich der Verein zu einer festen Größe im kulturellen Leben Taufkirchens und schuf mit Veranstaltungen wie den Serenadenabenden weit über die Gemeinde hinaus beachtete Höhepunkte.
Dem Schützenwesen blieb er selbstverständlich weiterhin eng verbunden. So rief er im Jahr 2000 das Schafkopfturnier während der Ältestenmeisterschaft auf der Olympia-Schießanlage in Garching ins Leben – eine Veranstaltung, die bis zum heutigen Tag ein fester Bestandteil des jährlichen Terminkalenders vieler Schützen ist. Auch hier zeigte sich, dass Josef Niedermeier der Erhalt liebgewonnener Traditionen ebenso am Herzen lag, wie der richtungsweisende Weg des Schützenwesens in eine sichere Zukunft.
Für seine außergewöhnlichen Verdienste erhielt Josef Niedermeier zahlreiche hohe Auszeichnungen. Bereits 1993 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Es folgten unter anderem die Goldene Verdienstmedaille des Bezirks Oberbayern sowie höchste Ehrungen des Bayerischen Sportschützenbundes und des Deutschen Schützenbundes. 1996 ernannte ihn der Schützenbezirk Oberbayern zum Ehren-Bezirksschützenmeister, im gleichen Jahr verliehen ihm die Delegierten beim Bayerischen Schützentag in München die Ehrenmitgliedschaft des Bayerischen Sportschützenbundes.
Trotz aller Auszeichnungen blieb Josef Niedermeier stets bescheiden. Wer ihn kannte, schätzte seine ruhige, ausgleichende Art, seine Sachlichkeit und seine Fähigkeit, auch schwierige Herausforderungen mit Geduld und Vernunft zu lösen. Er war ein höchstberedter Funktionär, der durch sein Handeln überzeugte. Gerade deshalb genoss er über Generationen hinweg große Anerkennung.
Seine Familie bedeutete ihm dabei stets den wichtigsten Rückhalt. Besonders dankbar sprach er immer wieder von seiner Ehefrau Irmi, die ihn über Jahrzehnte bei all seinen ehrenamtlichen Aufgaben unterstützte und ihm den Rücken freihielt. Ihr Tod im Jahr 2020 war für ihn ein schwerer Schicksalsschlag.
Noch zu seinem 90. Geburtstag würdigten zahlreiche Weggefährten aus Politik, Gesellschaft und Schützenwesen sein außergewöhnliches Lebenswerk. Damals sagte Josef Niedermeier einen Satz, der wohl sein gesamtes Wirken am besten beschreibt: „Ich war immer sehr gerne ehrenamtlich tätig, dies hat mein Leben ausgefüllt.“
Mit Josef Niedermeier verliert die bayerische Schützenfamilie einen Menschen, der über Jahrzehnte Verantwortung übernommen, Zukunft gestaltet und Gemeinschaft gelebt hat. Sein Name wird untrennbar mit dem Schützenwesen in Oberbayern und im Bayerischen Sportschützenbund verbunden bleiben. Sein Wirken bleibt Vorbild und Verpflichtung zugleich. Der Bayerische Sportschützenbund wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
